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Jessi Kirby: „Der Soundtrack meines Lebens“

Klappentext:

Für Honor bricht eine Welt zusammen, als der wichtigste Mensch in ihrem Leben stirbt: Ihr Bruder Finn fällt in Afghanistan. Sein Geschenk zu Honors Schulabschluss trifft kurz nach der Todesnachricht ein – Konzertkarten für das Abschiedskonzert der Sängerin, die die Geschwister ein Leben lang mit ihrer Musik begleitet hat. In Finns Auto startet Honor einen Roadtrip quer durch die USA, begleitet von Rusty, Finns chaotischem besten Freund. Der Trip erweist sich als eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Bald fliegen zwischen den beiden die Fetzen, doch je länger sie unterwegs sind, desto mehr verwandeln sich diese in Funken …

Ich muss gestehen, das Buch lag einige Zeit auf meinem (elektronischen) SUB. Aber gelegentlich kommt es vor, dass ein ewiges SUB-Buch sein Schicksal gar nicht verdient. Hier haben wir so einen Fall.

Ok, das peinliche Geständnis zuerst: Ich habe auf der ersten Seite angefangen zu heulen und bis zum Ende der Geschichte nur gelegentlich damit aufgehört. Und es war ein Fehler, das Buch partout mit zum Friseur nehmen zu wollen, um es endlich auszulesen. Schließlich wusste ich ja, wie es auf meine Tränendrüsen wirkt ^^

Gerade das finde ich aber auch toll daran. Das Buch berührt einen. Es klingt zwar nach einer ziemlich vorhersehbaren und patriotischen Geschichte, aber sie hält durchaus Überraschungen parat. Und patriotisch ist sie überhaupt nicht. Dafür traurig, lustig, poetisch, grüblerisch, … . Vor allem die Sprache hat es mir angetan, weil sie erfolgreich auf dem schmalen Grat zwischen wahnsinnig schön und furchtbar kitschig tanzt, ohne abzurutschen.

Der letzte Rest Sonne tauchte schwer hinter dem roten Gestein der Berge ab, ergoss leuchtend rosafarbenes Licht über die Wolken, die sich vereinzelt über den Himmel zogen, und am liebsten hätte ich diesen Moment hier und jetzt als Erinnerung an das Gefühl vollkommenen Friedens eingefangen, das ich empfand.
Seit wir die Limonade in den Kühler gefüllt hatten und ich so übergeschnappt gewesen war, meine Kleider auszuziehen, waren wir langsam dahingetuckert.

Die Hauptfigur Honor ist dabei immer sympathisch, wenn sie auch manchmal Dinge sagt oder tut, die ich nicht nachvollziehen kann. Der Autorin gelingt dabei das Kunststück, dass man für Honor (die die Geschichte erzählt) so empfindet, wie es ihr großer Bruder vermutlich tat. Honor sieht sich selbst nämlich als erwachsen und verantwortungsvoll, aber naja. Man möchte sie auf ihrem Weg begleiten und notfalls beschützen, so wie Rusty es tut. Ihn mochte ich anfangs nicht wirklich, und das ist auch durchaus so beabsichtigt. Man lernt ihn erst nach und nach kennen und folgt Honor, während sie sich in ihn verliebt. Und nein, das ist kein Spoiler, das stand schon im Klappentext ^^

Die weiteren Figuren wie Verwandte und Freunde von Honor und Rusty, hätten ein klein wenig mehr Fürsorge der Autorin vertragen können. Sie sind nämlich fast ausnahmslos überzeichnet. Aber ein bisschen Klischee tut so einem Jugendbuch ja auch keinen großen Abbruch, und für einen kleinen Lacher hier und da sind sie auch gut. Ansonsten lenken sie möglichst wenig von der emotionalen Entwicklung Honors ab. Die erreicht ihren Höhepunkt, als der Roadtrip endlich ans Meer führt. Der Moment ist irre schön beschrieben und geflennt hab ich auf den folgenden Seiten auch gleich wieder. Gefolgt von einer Wendung, die mich dann doch ziemlich überrascht hat, aber mehr verrate ich an dieser Stelle nicht.

Meine liebste Stelle im Buch: Honor erfährt stockbesoffen (Nie wieder Tequila!), dass das geliebte Auto ihres Bruders nach einem Pornosternchen benannt ist.

Fazit: "Der Soundtrack meines Lebens" ist ein sehr trauriges Das-Leben-ist-schön-Buch. Leuten, die gern Jugendbücher lesen, würde ich es sofort empfehlen. Und auch für andere Leser ist es durchaus einen längeren Blick wert.

Jessi Kirby: Der Soundtrack meines Lebens. 288 Seiten. 12,99 €. Thienemann Verlag, 2014.