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Ju-Yeon Rhim: Ciel. Der letzte Herbst

Wir machen einen kleinen Ausflug in die Welt der Manhwa. Das sind Comics aus Südkorea, leicht erkennbar an der "westlichen" Leserichtung und einem wunderbar aufwendigen und filigranen Zeichenstil. Als realistisch kann man die Figuren von Ju-Yeon Rhim beim besten Willen nicht beschreiben, aber das Betrachten macht unglaublich viel Spaß. Und kann im krassen Kontrast zur Handlung stehen …

Beschreibung des Verlags:

Yvien Magnolia lebt ein unscheinbares Leben auf dem Dorf. Außer dass das etwas naive und unbedarfte Mädchen bei einem Adeligen als Dienstmagd gearbeitet hat und dieser sie mit seinem hässlichen Sohn verheiraten wollte, ist noch nicht so viel in ihrem Leben passiert. Als sie eines Tages allerdings wieder einmal vor dem Adeligen fliehen muss, landet sie zufällig in einer Magieschule, die dem Königshaus untergestellt ist. Dort lernt Magnolia die Kraft der Magie kennen, die in ihr verschlossen ist …

Wie die Beschreibung schon andeutet, fängt die Geschichte eher seicht an. Yviens (wie spricht man den Namen eigentlich aus?) Leben ist ereignislos, ihre Familie ist arm und hat außer Yviens Schönheit nichts vorzuweisen. Nicht dass Yvien die Schönheit nicht auch ausnutzen würde um zu bekommen, was sie will. Dumm nur, dass jeder Mann auch Yvien will … Um ihre Tochter nicht zwangsverheiraten zu müssen schickt Yviens Mutter sie auf die Magierschule Lowood. Dort wird sie (wer hätte es gedacht) zur Berühmtheit mit starken magischen Kräften und besten Kontakten zu schwerreichen Mitschülern wie January und Lariatte.

Man darf sich aber nicht von diesem Einstieg und den unschuldig-schönen Figuren täuschen lassen. Mit jedem Band schleicht sich mehr Düsternis in die immer vielschichtigere Geschichte. Monster, Machthunger, blutrünstige Verwandte, ein grausamer König, (lebendige) Legenden, Kräfte, die die ganze Welt vernichten könnten … Alles erzählt in mehreren verwickelten Strängen und Rückblenden und Zeitsprüngen. Einiges habe ich erst beim zweiten Lesen kapiert. Dazu zeigen alle Figuren immer neue Seiten an sich, was ich toll finde. Nichts ist schlimmer als Charaktere ohne Entwicklung. Wenn das nette, naive Mädchen plötzlich das Messer zieht und alle Bösewichte kalt macht, bin ich begeistert.

A propos Begeisterung: Dieser Zeichenstil! Wahnsinnig toll! Eleganz, Anmut, Schönheit, Vielseitigkeit und dann noch diese KLEIDER! In jedem Band neue, mit Rüschen, Korsetts, ausladenden Röcken, Schmuck … Ein Mädchentraum. Und alles gar nicht mal so trivial, weil das Aussehen der Protagonisten sich auf die Atmosphäre auswirkt. Ein Sommertag kann gleich viel fröhlicher wirken, ein Gemetzel aber durch den Kontrast von Kleidung und Situation umso grausamer. Übrigens sind die Titelbilder zu den einzelnen Kapiteln immer kleine Kunstwerke, die man ewig anschauen könnte.

Ausstattung: Im üblichen Tokyopop-Taschenbuch-Format, also etwas größer als bei der "Konkurrenz". Leider gibt es im Manga keine Farbseiten, aber die wären auch nur die Kirsche auf dem Sahnehäubchen.

Meine liebste Stelle: Uff … Bei Serien im zweistelligen Bereich ist das keine leichte Frage ^^. Woran ich mich aber mit einem Lächeln erinnere ist ein Kapitel ca. in der Mitte der Serie, in der es romantisch wird zwischen Yvien und (Name verrate ich nicht). Die Atmosphäre schwankt so schön zwischen kindlicher Schwärmerei und tiefer Liebe, da geht einem das Herz auf.

Fazit: Hatte ich anfangs nur wegen des Zeichenstils zugegriffen, hat mich die Geschichte immer mehr in ihren Bann gezogen. Und wenn man dem verschlungenen Plot mal nicht mehr richtig folgen kann, guckt man sich einfach die Bilder an. Oder die Kleider … hach. Ach ja, für Männer ist die Reihe wohl eher nix ^^

Ju-Yeon Rhim: Ciel. Der letzte Herbst. 192 Seiten. 6,50 €. Tokyopop.