BuecherblogDani_Ward_Numbers

Rachel Ward: Numbers. Den Tod im Blick

Die "Numbers"-Trilogie von Rachel Ward stand schon lange auf meinem Wunschzettel und jetzt habe ich mir endlich den ersten Teil "Numbers. Den Tod im Blick" gegönnt. Und irgendwie … War es nicht so, wie ich erwartet hatte.

Klappentext:

Er hatte sie auch. 08122010. Seine Zahl. Irgendwas würde mit diesen Leuten passieren. Heute. Hier.

Augen, so heißt es, sind das Fenster zur Seele. Doch wenn Jem in fremde Augen blickt, sieht sie eine Zahl. Und die ist unauslöschlich. Denn sie markiert den Tag, an dem ihr Gegenüber sterben wird.

Also meidet Jem Menschen. Doch dann lernt sie Spinne kennen  und ist glücklich, zum ersten Mal. Bis bei einem Trip zum Londoner Riesenrad etwas Schreckliches passiert: Um sie herum haben alle dieselbe Zahl …

Ich hatte also diese Beschreibung gelesen und dann eine typische Jugendbuch-Dystopie erwartet. Also, nette Protagonistin, die entweder Probleme oder einen kleinen, feinen Freundeskreis hat. Und dann rettet sie die Stadt/Zivilisation/Welt. Und das ist nicht abfällig gemeint, weil ich solche Bücher mag. Sehr sogar.

Und dann kommt da Rachel Ward und haut meine Erwartungen über den Haufen. Das fängt schon mit Jem an. Die ist mir nämlich unsympathisch. Vermutlich hat die Autorin sie sich einfach zu gut ausgedacht, Jem ist das Musterbeispiel eines aggressiven Teenagers mit massiven Problemen. Ich würde wohl auch durchdrehen, wenn ich den Todestag jedes einzelnen Menschen sehen müsste. Von Fremden und von Leuten, die mir etwas bedeuten. Ich kann Jem also verstehen und man kann ihre Gefühle auch das ganze Buch hindurch gut nachvollziehen. Nur leiden kann ich sie deswegen noch lange nicht, trotz ihres schönen Sarkasmus.

Irgendwo unter dem Nebel schliefen die Menschen, wachten auf, furzten, kratzten sich, machten ihr Morgengeschäft, doch an der Oberfläche wirkte alles wie Disneyland.

Und Jems Freund Spinne … Hm. Der ginge mir auf die Nerven, das ist nämlich so eine überdrehte Quasselstrippe. Und er riecht komisch, laut Jem. Es ist schlimm, aber ich komme bei all seinen guten Eigenschaften (die hat er auch, werden so nach und nach deutlich) nicht darüber hinweg. Was Oberflächlichkeit angeht, hält einem das Buch einen unschönen Spiegel vor die Nase.

Die Geschichte ist auch anders, als man erwartet. Das mit dem Riesenrad ist nämlich nicht das Finale, sondern eher der Auftakt zur gemeinsamen Flucht von Jem und Spinne, vor der Polizei (unschuldiger Weise), vor einem Drogendealer (nicht ganz so unschuldig) und der Öffentlichkeit (der ist die Schuldfrage ja meist egal). Die Autorin beschreibt alles aus Jems Perspektive, sehr anschaulich und immer zwischen Kitsch und Rotzigkeit schwankend. Für mich war eben dieses Schwanken zu viel, ich konnte Jem einfach nicht richtig lieb gewinnen und stehe dem Buch ambivalent gegenüber.

Meine liebste Stelle im Buch: Die Szene am Riesenrad. Da wird es wirklich spannend. Jems Verzweiflung kommt gut rüber und man fragt sich, was wohl passieren wird, dass all diese Leute sterben müssen.

Fazit: Ein gutes Buch, das zum Nachdenken anregt. Leider habe ich keinen richtigen Zugang gefunden und habe nicht so mitfiebern können, wie ich gehofft hatte. Band 2 und 3 werde ich wohl trotzdem lesen, da scheint es nämlich noch ganz dicke zu kommen. Und ich will ja wissen, wie's weitergeht ^^

Rachel Ward: Numbers. Den Tod im Blick. 368 Seiten. 8,99 €. Carlsen Verlag.